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Online-Konsultation der Endlager-Kommission

13 TeilnehmerInnen
7 Kommentare
380 Stimmen

Teil B: 9. Technikfolgenbewertung und -gestaltung

Status: Geschlossen

Sichtbarkeit: Öffentlich  

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001

Die Auseinandersetzung um die Kernenergie muss vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels in der Gesellschaft gesehen werden. War die Einstellung zur Technik bis Anfang der 1970er Jahre kein strittiges Thema, so hat sich das grundlegend geändert. Während bis dahin der technisch-wissenschaftliche Fortschritt vorbehaltlos anerkannt war und zum Beispiel durch die realen Erfahrungen der Nachkriegszeit – der rasche Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und der steigende Wohlstand - bestätigt wurde, rückten seit dieser Zeit Risiken und Gefahren stärker in den Vordergrund der Debatte.

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3 Stimmen
 
002

Der Fortschrittsglaube der europäischen Moderne bezog seine Legitimation aus einer utopisch-linearen Denkweise, in der die Entwicklung von Wirtschaft und Technik und damit das Wachstum der Güter und Dienstleistungen einfach in die Zukunft hochgerechnet wurde. Das ging von der Hoffnung aus, dass immer mehr Menschen an dem hohen materiellen Zuwachs beteiligt würden, wodurch ihre Freiheitsräume erweitert und die Gesundheit besser geschützt, mehr soziale Sicherheit verwirklicht und generell die Lebensbedingungen verbessert werden.

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4 Stimmen
 
003

In den letzten zwei Jahrhunderten wurde Fortschritt zur Leitidee der europäischen Moderne, eng verbunden mit emanzipatorischen Ziele (die Befreiung des Menschen). Der Weg dahin war seit der industriellen Revolution die Entfaltung der Produktivkräfte, also des technischen Fortschritts und wirtschaftlichen Wachstums. Sie wurde vor allem für die Arbeiterbewegung zur strategischen Antwort auf die „soziale Frage“ („Mit uns zieht die neue Zeit“). Die Reflexion der Nebenfolgen des technischen Fortschritts erfolgte – wenn überhaupt - erst ex post.

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3 Stimmen
 
004

Aber die Kernenergie ist ein Beispiel, dass nicht nur Chancen, sondern auch Risiken gesehen werden müssen. Natürlich braucht jede Gesellschaft den technischen Fortschritt, aber er muss verantwortbar bleiben und deshalb gestaltet werden, sozial und ökologisch. Und das ist heute, angesichts der gestiegenen technischen Macht, eine andere Herausforderung als in der Frühzeit der europäischen Moderne. Damals ermöglichte die Verbindung handwerklicher Fähigkeiten mit den Ideen der europäischen Aufklärung[1] eine epochale Vorwärtsbewegung der Gesellschaft. Die Entdeckung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten für die Enträtselung der Natur und die Entwicklung von Technik trugen dazu bei, dass die Menschen soziale und demokratische Rechte verwirklichen konnten. Auf der Basis der Aufklärung und Vernunft kam es zu mehr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

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3 Stimmen
 
005

Die industrielle Revolution führte durch die systematische Nutzung von Arbeit, Technik und Ressourcen zur Revolutionierung der Produktionsmethoden. Die Folgen dieser „Großen Transformation“ (Karl Polanyi)[2] waren tiefgehende soziale und ökonomische Umwälzungen, die zur fortgesetzten „Selbstproduktion der industriellen Gesellschaft“ (Alain Touraine)[3] führten, die dadurch politisch gestaltbar wurde. Tatsächlich bekamen mit der industriellen Revolution die Ideen der europäischen Moderne[4] eine ganz neue Kraft. In der Folge schienen „lange Zeit technischer und gesellschaftlicher Fortschritt Synonyme“ zu sein[5].

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4 Stimmen
 
006

Die Zukunft mit immer mehr Wissen über Technik verfügbar zu machen, das ist, so die Sozialwissenschaftler Adalbert Evers und Helga Nowotny, „eine relativ junge Erfindung. Als Vorstellung eines offenen Horizontes und einer mehr oder weniger linear verlaufenden Entwicklung zum Besseren und Höheren fällt sie zusammen mit der Entstehung des Fortschrittsgedankens im 18. Jahrhundert. Sie bezog ihre Dynamik aus dem Spannungsverhältnis zwischen dem Erreichten ... und den noch vor ihr liegenden Erwartungen, auf die es sich hinzubewegen galt“[6].

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3 Stimmen
 
007

Tatsächlich lieferte die Entwicklung der Technik viele eindrucksvolle Beispiele für Fortschritt. Die Liste ist lang: „Spätestens seit der Industriellen Revolution ist mit Technik in mehrfacher Hinsicht das Versprechen eines besseren Lebens verbunden: als Entlastung von körperlicher Arbeit durch technische Werkzeuge, als Mehrung von individuellem und gesellschaftlichem Wohlstand durch neue und effizientere Formen der Wertschöpfung, als Emanzipation von der Angewiesenheit auf die Launen der Natur, als Befreiung von den Zwängen der Erwerbsarbeit und gegenwärtig vor allem als Medium der globalen Kommunikation“[7].

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6 Stimmen
 
008

Die Entwicklung der Produktivkräfte wurde zum Referenzrahmen für Fortschritt, obwohl es durchaus kritische Stimmen gab, die vor den Folgen warnten oder andere Perspektiven für Fortschritt aufzeigten[8]. Doch die Vorteile aus der gewaltigen Expansion von Wirtschaft und Technik taten jede Sorge über unangemessene Folgen als ungerechtfertigt ab, zumal technische Innovationen, auch zur Einhegung von Risiken, nahezu unbegrenzt möglich erschienen. Das Fortschrittsdenken ging von der Selbstverständlichkeit aus, dass sich am Ende stets eine für alle vorteilhafte Entwicklung ergeben würde.

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3 Stimmen
 
009

Tatsächlich schien die Technik unter dem Paradigma der „Technikkontrolle durch Technik“ sich sicher und nahezu perfekt zu entwickeln[9], nicht zuletzt durch Standards und Normen, die überwiegend von Gremien vorgegeben wurden, die von Technikern bestimmt waren. Erst Anfang der siebziger Jahre wurde die Forderung lauter, die früheren Selbstverständlichkeiten zu überdenken, zumal sich die Techniken häuften, deren Entwicklung nicht als positiv und fortschrittsfördernd gesehen wurden, sondern sozial und ökologisch negative Folgewirkungen erzeugen können.

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3 Stimmen
 
010

Seit den 1970er Jahren nimmt die Erkenntnis von der Ambivalenz der Technik zu. Dadurch rückte als zentrale Forderung ins Zentrum, dass die Technik fehlerfreundlich sein muss, zumal ihre Entwicklung nicht als deterministisch vorgegeben gesehen werden darf. Dem entspricht, dass die Sozialwissenschaft von dem Verständnis ausgeht, die Entwicklung der Technik sei ein „sozialer Prozess“[10]. In die Entwicklung der Technik fließen der Stand von Forschung und Entwicklung, die Innovationskraft von Wissenschaft und Wirtschaft, soziale Akzeptanz und kulturelle Wertmuster ein. Die konkreten Ausprägungen unterliegen einem ständigen Wandel durch den technologischen Fortschritt, die politischen Rahmensetzungen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die vorherrschenden Werte sowie andere Einflussfaktoren wie Bildung, Informationssysteme, Rohstoffabhängigkeit, etc.[11].

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4 Stimmen
 
011

Es wäre falsch, kritische Einwände als „technikfeindlich“ abzutun, vielmehr erfordern sie die Bereitschaft zum Diskurs und die Fähigkeit zur Reflexion[12]. Nicht von ungefähr war die damalige Debatte auch begleitet von Projekten zur Humanisierung der Arbeit, nicht im Sinne der sozialen Folgenbewältigung, sondern der unmittelbaren Verbesserung der Arbeitswelt.

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4 Stimmen
 
012

Der Wechsel von der einseitig optimistischen Sichtweise zu einer reflexiven, teilweise auch skeptischen Bewertung von Technik ist bereits in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule angelegt. Der Philosoph Herbert Marcuse befürchtete schon 1967, dass „die befreiende Kraft der Technologie – die Instrumentalisierung der Dinge – ... sich in eine Fessel der Befreiung (verkehrt), sie wird zur Instrumentalisierung des Menschen“[13]. Frühzeitig wurde die Forderung erhoben, die technische Entwicklung in gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen, weil, wie es der Sozialphilosoph Jürgen Habermas formulierte, das jeweilige „System der Wissenschaften [aber nur] ein Element eines umfassenden Lebens­zusammenhangs“[14] sein kann, der aber zuvorderst von den Geisteswissenschaften interpretiert werden müsse. Die Wirklichkeit könne nur gefunden werden, wenn es zur „Selbstreflexion der Wissenschaft“[15] komme und das technische Interesse der Naturwissenschaft und das gesellschaftliche Interesse der Geisteswissenschaften zu einem Ganzen zusammengefügt werde[16].

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013

Habermas will den in der Frankfurter Schule vorherrschenden pessimistischen Schluss aus der Dialektik der Aufklärung[17] widerlegen, dass der Mensch es nicht schaffen könne, eine menschenwürdige Welt zu verwirklichen. Habermas begründete seine Sicht in der Theorie der diskursiven Vernunft. Als Quelle des Fortschritts sieht er die Kommunikation zwischen den Menschen, die aber nur dann funktionieren könne, wenn dieser Verständigungsprozess vernunftorientiert organisiert würde. Unter Bezug auf Habermas spricht Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Forschungszentrum Karlsruhe (ITAS), von der Notwendigkeit einer „diskursiven Rationalität“[18], die das Verhältnis zu der jeweiligen Technik klären müsse.

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5 Stimmen
 
014

Nicht nur die Kritische Theorie oder Theorien der reflexiven Modernisierung[19] haben die Einstellung zur Technik geändert, in den 1970iger Jahren begann auch die ökologische Debatte, die schon 1962 durch Rachel Carsons Untersuchungen über Dioxin[20] und 1963 von Jane Jacobs mit dem Bestseller „Aufstieg und Verfall großer amerikanischer Städte“[21] angestoßen wurde. Der wichtigste Auslöser war 1972 die Studie des amerikanischen MIT an den Club of Rome über die „Grenzen des Wachstums“[22], der seitdem zahlreiche Warnungen über die gravierenden Zerstörungen der natürlichen Lebensgrundlagen folgten[23]. Ebenfalls in den 1970er Jahren begann die Auseinandersetzung um die Kernenergie[24], später die Debatte um die Gentechnik[25] und über die Folgen der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft[26]. Das macht die Technikbewertung zu einer zentralen gesellschaftspolitischen Frage.

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015

Definition Technik und Technologie und ihre Einordnung:
Eine wichtige Grundunterscheidung ist die zwischen Technologie und Technik:
Technologie ist zum einen das Wissen über Herstellung, Gebrauch und Reparatur technischer Geräte und zum anderen die Wissenschaft von der Technik.
Technik sichert und verbessert durch die Entwicklung und Anwendung technischer Mittel die Entfaltung der menschlichen Lebensmöglichkeiten.
Grundkonsens in der Technikphilosophie ist, dass aus der Machbarkeit nicht per se die Wünschbarkeit oder Erlaubtheit einer Technologie folgt. Das Hervorgehen von Technik aus Technologien – ist im Sinne einer „modalen Transformation“ der „Raum des Möglichen“[27]. Ein großer Teil herkömmlicher Technikphilosophien will den Möglichkeitshorizont des Technischen erschließen.
Begriffe wie Technikfolgenabschätzung oder Technikgestaltung verweisen dagegen auf ein vorausgesetztes Verständnis von Verantwortung. Unvereinbar damit ist ein „harter Technikdeterminismus“[28].

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2 Stimmen
 
016

Bis heute blieb es überwiegend bei einem reaktiven Umgang mit Technik, um die von ihr erzeugten Risiken zu mildern. Der Einsatz der Technik bewirkt insbesondere durch wachsende Komplexität und hohe Fernwirkungen neue Gefahren, auf die wiederum technische Antworten gesucht wurden. Diese Form des technischen Fortschritts bleibt in der Regel normativ blind, weil sie nicht die Frage stellt, wie für die Bewahrung der Natur, das soziale Zusammenleben und die politisch-gesellschaftliche Ordnung die externalisierten Folgen zu verhindern sind. Nicholas Stern hat dagegen in seiner Studie über die ökonomischen Kosten des Klimawandels nachgewiesen, dass die Vermeidung und Begrenzung der Erderwärmung auf jeden Fall günstiger kommt als die Anpassung an die Folgen mit einer Schadensbegrenzung, die immer schwieriger zu erreichen ist[29].

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017

Heute wissen wir: Der technische Fortschritt ist unverzichtbar und hat unstrittig große Verbesserungen gebracht, aber er kann auch mit Kehrseiten verbunden sein, wenn aus Risiken neue Großgefahren werden. Deshalb darf es keine blinde Technikgläubigkeit geben. Schon gar nicht darf sie als Fortschritt ausgegeben werden, soll nicht die Idee des Fortschritts infrage gestellt werden. Technik fordert von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft neue Reflexionserfordernisse ab[30]. Ein wesentlicher Auslöser für diese Veränderungen war die Auseinandersetzung um die Kernenergie.

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018

Natürlich garantieren politische und staatliche Entscheidungen nicht per se, dass es zu besseren Lösungen kommt. Um aber zu gesellschaftlicher Akzeptanz und nachhaltiger Verantwortung zu kommen, geht es um politische Rahmensetzungen, die verbindlich technische Normen für Sicherheit und Vorsorge festlegen, soziale und ökologische Zusammenhänge in die Entscheidungen einbeziehen und dabei Unwissen oder Unsicherheiten hinreichend berücksichtigen. Die Kommission lässt sich bei ihren Vorschlägen für eine bestmögliche Sicherheit bei der Lagerung radioaktiver Abfälle weder von Technikeuphorie noch von Technikfeindlichkeit leiten. Ihr geht es darum, dass Technikpfade mit hohen Unsicherheiten oder riskantem Unwissen nicht zugelassen und alternative Optionen von Anfang an einbezogen werden.

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