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Online-Konsultation der Endlager-Kommission

12 TeilnehmerInnen
19 Kommentare
693 Stimmen

Teil B: 3. Das Prinzip Verantwortung

Status: Geschlossen

Sichtbarkeit: Öffentlich  

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001

Das Ringen um die bestmögliche Lagerung radioaktiver Abfallstoffe erfordert einen Vorschlag, der in Politik und Gesellschaft eine breite Zustimmung findet. Dafür muss die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe - wie der Philosoph Volker Gerhard definiert hat - von der „Perspektive einer dauerhaft als Einheit begriffenen Gesellschaft“[1], ausgehen. Das ist eine zentrale Voraussetzung für ein verantwortungsbewusstes Handeln dem die Kommission, der Mitglieder aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft angehören, auch in ihrer Zusammensetzung Rechnung trägt.

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7 Stimmen
 
002

Ihre Vorschläge an Bundestag und Bundesrat erfordern sowohl eine hohe wissenschaftliche und technische Kompetenz als auch ein Verständnis von der sozial-kulturellen Dimension der Herausforderung. Die präzise Benennung der Konflikte, ihrer Ursachen, Hintergründe und Zusammenhänge, ist notwendig, damit „über komplexe Interaktionen zwischen den verschiedenen Trägern ..., über Diskurse, in denen Alltagsorientierungen und wissenschaftlich erarbeitetes Wissen den Umgang mit Unsicherheit verbessern, ein Orientierungswissen entsteht“ [2], das die Akzeptabilität für gemeinsame Handlungsperspektiven möglich macht.

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6 Stimmen
 
003

Die Konflikte um die Kernenergie sind nicht nur eine technische Herausforderung, sie berühren zentrale Annahmen der europäischen Moderne, vor allem die Legitimationskraft der Wachstums- und Steigerungsprogrammatik, die zum Ziel von Fortschritt wurde[3]. Denn das Prinzip von Versuch und Irrtum, das zur Grundlage des wissenschaftlich-technischen Fortschritts wurde, gerät an Grenzen. Dieses „Irrtumslernen“ ist nämlich nicht in der Lage, längerfristige Gefahren komplexer Technologien oder schwerwiegende ökologische Schädigungen zu verhindern, die möglichst von vorneherein ausgeschlossen werden müssen[4].

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6 Stimmen
 
004

Technischer Fortschritt ist unstrittig ein wichtiges Mittel, um mehr Wirtschafts- und Lebensqualität zu verwirklichen, aber seit der Industriellen Revolution ist der Mensch zu einer geo-physikalischen Kraft geworden, die heute den Naturgewalten gleichkommt. Paul Crutzen, der 1996 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde, zog aus dieser Erkenntnis[5] folgende Konsequenz: „In den letzten drei Jahrzehnten sind die Effekte des menschlichen Handelns auf die globale Umwelt eskaliert. ... Insofern scheint es mir angemessen, die gegenwärtige, vom Menschen geprägte geologische Epoche als ‚Anthropozän’ zu bezeichnen“.[6]

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5 Stimmen
 
005

In dieser vom Menschen gemachten Welt geht es um die große Aufgabe, zu einem nachhaltigen Management von Wirtschaft und Gesellschaft zu kommen, um schwerwiegende Schädigungen zu verhindern. Das erfordert die Vertiefung des menschlichen Wissens über komplexe und längerfristige Wirkungszusammenhänge und um die Reflexion der Grenzen unseres Wissens, damit die Menschen ihren Platz nicht als Beherrscher und Zerstörer, sondern als Partner der Natur und künftiger Generationen einnehmen: „Es geht“, wie der Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl schreibt, „nicht um eine Sehnsucht nach einer primitiven Vergangenheit, sondern um die Sehnsucht nach einer aufgeklärte Zukunft“[7].

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6 Stimmen
 
006
  • In der arbeitsteiligen und in den Abläufen sich immer weiter beschleunigenden Welt werden Entscheidungen über das „Gut“ oder „Schlecht“ einer Handlung innerhalb eines kurzfristigen Zeitraums getroffen oder von einem technischen oder ökonomischen Expertentum vorgegeben. Niemand wird dabei „für die unbeabsichtigten späteren Wirkungen eines gut-gewollten, wohl-überlegten und wohl-ausgefüllten Akts“ verantwortlich gemacht. Reflexion und das Beachten von Zusammenhängen kommt dabei zu kurz. Der Philosoph Hans Jonas beschreibt das sich auftuende Vakuum, das sich auch bei der Nutzung der Kernenergie zeigt, wie folgt: „Der kurze Arm menschlicher Macht verlangt keinen langen Arm vorhersagenden Wissens“[8].
  • Das Prinzip „Technikkontrolle durch Technik“ (Günter Ropohl) greift zu kurz, zumal es keine selbstläufige Fortschrittswelt gibt. Anders als in tradierten Annahmen von Fortschritt, bei denen es vornehmlich um die Vermehrung von Wissen geht, fällt heute auch dem Wissen über die Reichweite unseres Wissens und der Berücksichtigung von Nicht-Wissen eine entscheidende Rolle zu, damit es nicht zu unbeabsichtigten Folge- und Nebenwirkungen technischer Systeme kommt.
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5 Stimmen
 
007

Das erfordert eine Zukunftsethik, die sich am Leitziel der Nachhaltigkeit orientieren muss. Sie sichert künftigen Generationen ihren Freiheitsraum und bürdet ihnen keine unverantwortbaren Belastungen auf. Die Kommission hat nicht die Aufgabe, eine derartige Theorie der Zukunftsethik zu entwickeln. Aber sie gibt Hinweise und Anregungen, die sich aus den Erfahrungen im Umgang mit der Kernenergie ergeben, insbesondere zu folgenden Fragen:

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6 Stimmen
 
008
  • Was bedeutet langfristige Verantwortung und wie werden wir ihr bei der Lagerung radioaktiver Abfälle gerecht?
  • Was erfordert eine reflexive Technikbewertung und Technikgestaltung, die frühzeitig, transparent und verantwortungsvoll unbeabsichtigte Nebenfolgen möglichst verhindert?
  • Wie werden in unserer arbeitsteiligen, technikbestimmten Welt Demokratie und Freiheitsraum trotz zunehmender Sachzwänge auf Dauer gesichert?
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5 Stimmen
 
009

Um ein Verständnis für die Herausforderung zu gewinnen, wird im Abschnitt B 3.1.1 in knapper Form die Ideengeschichte des Fortschritts beschrieben, dann wird in Abschnitt 3.1.2 in Bezug auf die Untersuchungen von Ulrich Beck zur Risikogesellschaft, von Lothar Hack zu den Veränderungen in der Technikentwicklung und von Hans Jonas zum Prinzip Verantwortung der Modernisierungsbedarf aufgezeigt. Abschnitt 3.1.3 beschreibt die Kernenergie als Wendepunkt in dem geschichtsphilosophischen Optimismus, der aber nicht dazu führen darf, die Idee des Fortschritts aufzugeben.

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5 Stimmen
 
010

Wie vielen Zentralbegriffen der Neuzeit kommt auch der Idee des Fortschritts ursprünglich eine religiöse Bedeutung zu. Beispielhaft aus der Vielzahl der Zeugnisse, die das frühe Fortschrittsverständnis belegen, wird auf John Bunyans allegorisches Erbauungsbuch „Pilgrim’s Progress“ aus dem Jahr 1678 verwiesen[9]. Der Rationalismus des 17. Jahrhunderts behielt die heilsgeschichtliche Deutung bei, die aber ins Säkulare gewendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurden Aufklärung und Vernunft als universelle Urteilsinstanz zu den wichtigsten Grundlagen der Fortschrittsidee, die primär ausgerichtet ist auf die Befreiung und Emanzipation des Menschen von Lehren und Dogmen, die seinem Mündigwerden entgegenstehen. Bei dem Philosophen Immanuel Kant hieß es: „Die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung“[10].

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5 Stimmen
 
011

Die Idee des Fortschritts baute auf der Überzeugung auf, dass sich die moderne Gesellschaft schon durch die Akkumulation und Verbreitung ihrer wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften vorwärts bewege. Damit verband sich die Hoffnung auf eine sicher voranschreitende Welt, in der die Hauptprobleme des menschlichen Zusammenlebens schrittweise gelöst würden. Als Folie diente die seit der Antike vertraute Vorstellung der „Stufenleiter des Seins“ (scala naturae), die das Leben von den einfachsten bis zu komplexesten Erscheinungen hierarchisch ordnet[11]. Diese Theorie des Fortschritts ist gleichsam die Verzeitlichung der Seinspyramide, in der das Ranghöhere das zeitlich Spätere ist. Dabei herrschte der feste Glaube vor, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht: linear zu höheren und besseren Verhältnissen. Bedrohungen und Gefahren wurden als Ausnahmen gesehen, die mit Hilfe des technischen Fortschritts verhindert werden könnten.

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012

Dieser Fortschritts- und Kulturoptimismus wurde zur großen Erzählung der europäischen Moderne. Grundlage war eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber der Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Produktivkräften. Der insbesondere auf Auguste Comte zurückgehende Positivismus ging davon aus, dass Veränderungen in der Regel Verbesserungen sind, weil sie festgefügte Traditionen verdrängten[12]. Zudem wurde der Prozess des Fortschritts als endlos gesehen – wie später auch sein Pendant, das wirtschaftliche Wachstum. Dafür wurde auch der Gegensatz Mensch – Natur radikalisiert. René Descartes forderte, dass der Mensch mittels mathematischer Rationalität „Maître et Possesseur de la Nature“ werden müsse[13].

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013

Der Theologe Günter Altner bewertete dieses Naturverständnis als Naturvergessenheit: „Die durch den Philosophen René Descartes angekündigte Herrschaftsvision, dass der Mensch mittels wissenschaftlicher Erkenntnis zum ‚Herrn und Meister der Natur’ werde, ist auf eine zutiefst ambivalente Weise eingelöst. Einerseits sind wir zu Siegern der Natur geworden, andererseits drohen wir uns totzusiegen. Und diese Konstellation hat etwas mit der Ausgangssituation am Anfang der Neuzeit zu tun“[14]. Altners zog das Fazit, dass der „Subjekt-Objekt-Dualismus des Descartesschen Denkens ... in immer neuen Varianten zur generellen Grundlage unserer wissenschaftlich-technisch-industriellen Bewirtschaftung von Natur geworden ist. Dass die Natur Objekt, Ressource und Nutzungsgegenstand für den Menschen zu sein habe und nichts anderes sonst, das ist das Grunddogma des technisch-industriellen Fortschritts, wie er sich heute mit immer schnellerer Dynamik vollzieht“[15].

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014

Auch Adam Smiths Vorstellung von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes zur Selbstregulierung der Wirtschaft und Förderung von Wohlstand[16] oder Immanuel Kants Gedanke einer die Entwicklung von Wissen und Können leitenden Naturabsicht[17] sind Ausdruck des tief verwurzelten Vertrauens, dass freie und ungehinderte Aktivitäten der Menschen in der Summe eine positive Entwicklung ergeben. Dieses Verständnis war in erster Linie den Erfahrungen der damaligen Zeit geschuldet und nicht so naiv, wie es heute von Vertretern der Postmoderne hingestellt wird. Die Schriften von Aufklärern wie Jean-Baptiste d’Alembert, Denis Diderot oder Immanuel Kant belegen, dass sie in Wissenschaft und Technik in erster Linie die Triebkräfte für ein besseres Leben und die Emanzipation der Menschen gesehen haben. Für das aufgeklärte Bürgertum war der wissenschaftliche Fortschritt nicht das Ziel, sondern ein wichtiges Mittel für die Emanzipation des Menschen.

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015

Im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert verengte sich das Fortschrittsdenken auf wirtschaftliches Wachstum. Die Gleichsetzung des technischen Fortschritts mit gesellschaftlichem Fortschritt wurde zu einer selbstgewiss demonstrierten Weltanschauung[18], die ihre Legitimation aus realen Erfahrungen und Menschenrechtsdiskursen erhielt[19]. Die Liste der Fortschritte, die das Leben verbessert haben, ist lang. Für die Arbeiterbewegung waren die Entfaltung der Produktivkräfte und die Revolutionierung der Produktionsverhältnisse der strategische Hebel zur Überwindung der alten, überholten Gesellschaftsordnung. „Mit uns zieht die neue Zeit“, lautete die Parole. Im aufgeklärten Bürgertum wie in der Arbeiterbewegung nistete sich dieses Verständnis von Fortschritt tief im Bewusstsein ein, obwohl im letzten Jahrhundert der technische Fortschritt auch kritisch gesehen wurde[20]. Stärker infrage gestellt wurde er erst seit Anfang der 1970er Jahre, vor allem durch die Erkenntnis ökologischer Gefahren. Insbesondere die Arbeit von Dennis Meadows und seinem Team vom amerikanischen MIT[21] rückten die Grenzen des Wachstums ins öffentliche Bewusstsein[22].

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016

Die Debatte über Zukunftsethik begann in den 1980er Jahren. Der Ausgangspunkt waren die immer weiter in die Zukunft reichenden Wirkungen technologischer Prozesse, die das gesicherte Vorauswissen deutlich übersteigen. Wichtige Impulsgeber waren „Das Prinzip Verantwortung“[23] von Hans Jonas, „Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne“[24] von Ulrich Beck und „Vor Vollendung der Tatsachen“ von Lothar Hack[25]. Jonas und Beck zeigten am Beispiel der Kernenergie auf, dass die moderne Industriegesellschaft zwar über ein historisch einzigartiges technisch-wissenschaftliches Potential zur Verbesserung der Wirtschafts- und Lebensqualität verfügt, aber auch durch längerfristige Prozesse zur Natur- und Selbstzerstörung fähig ist, wenn es nicht schnell zu einer „reflexiven“ (nachhaltigen) Modernisierung kommt[26]. Hack warnte davor, dass „Wissenschaft zur Ware“ wird, weil sie dann die Fähigkeit verliert, was Tatsachen sind: „gemacht und veränderbar“[27]

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Am meisten diskutiert

Absatz Komm. Stimmen
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M. Paul 4 6
RRMeyer 4 2
T. v. Be... 3 49
Volker G... 1 35
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