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Online-Konsultation der Endlager-Kommission

13 TeilnehmerInnen
7 Kommentare
380 Stimmen

Teil B: 9. Technikfolgenbewertung und -gestaltung

Status: Geschlossen

Sichtbarkeit: Öffentlich  

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019

Technische und wissenschaftliche Aktivitäten sind in historische Prozesse, gesellschaftliche Zusammenhänge und kulturelle Wertvorstellungen eingebunden sowie durch die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen und die Belastung der natürlichen Senken mit den ökologischen Kreisläufen, beziehungsweise mit der vom Menschen geschaffenen Umwelt verbunden. Die Auseinandersetzungen um die Kernenergie haben deutlich gemacht, dass es in diesem Beziehungsgeflecht zu tiefen Rissen kommen kann.

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3 Stimmen
 
020

Die Erkenntnis daraus ist: Mit der Technisierung des Lebens steigen die Anforderungen an die Verträglichkeit mit der Zukunft. Die Entfaltung der industriellen Produktivkräfte führen nämlich zu einer immer weiterreichenden Entgrenzung in der räumlichen, zeitlichen und stofflichen Dimension menschlicher Handlungen. Die Folgen sind Ausdifferenzierung, Spezialisierung, Internalisierung, Beschleunigung und Komplexität mit langfristigen Fernwirkungen[31]. Von daher erfordert Reflexion eine sehr viel höhere Qualität an Koordination und Integration, um zu einer möglichst dauerhaften Kompatibilität von Entscheidungen mit den Interessen künftiger Generationen zu erreichen.

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3 Stimmen
 
021

Deshalb kann Fortschritt nicht mehr einfach auf die Sinnhorizonte und Regulationssysteme zurückgreifen, die im 18. und 19. Jahrhundert als Generallegitimation für Wachstum, technischen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung entstanden sind. Der Verweis auf ökologische Gefahren ist ebenso richtig wie der auf neue soziale, politische und gesellschaftliche Herausforderungen in der globalisierten Welt, die berücksichtigt werden müssen. Deshalb ist technischer Fortschritt heute nicht nur eine Frage der Möglichkeiten, sondern auch seiner sozialen und ökologischen Verträglichkeit mit der schnell zusammenwachsenden, aber zerbrechlichen und überlasteten Welt[32]. Nur dann können unzumutbare Folgen zu Lasten Dritter, insbesondere künftiger Generationen, vermieden werden.

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5 Stimmen
 
022

Der Kommission geht es auch darum, neues Grundvertrauen im Umgang mit Technik aufzubauen. Die im Bericht vorgeschlagenen Kriterien sollen wegweisend für einen reflexiven Umgang mit komplexen Technologien sein. Der Ausgangspunkt ist, möglichst „bis zum Ende“ zu denken, vor allem dann wenn die Entscheidungen mit Unwissen und Unsicherheit verbunden sind Der Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages, Prof. Armin Grunwald, hat grundlegende Fragen aufgelistet, die dabei gestellt werden müssen[33], insbesondere:

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3 Stimmen
 
023
  • Ist es möglich, die Technikentwicklung in eine „gesellschaftlich wünschenswerte“ Richtung zu lenken (was immer das heißen mag) oder folgt die Technik einer unbeeinflussbaren Eigendynamik?
  • Wo liegen die ethischen Grenzen der Technik, wenn es die überhaupt gibt oder folgt die Technik einer unbeeinflussbaren Eigendynamik?
  • Welche gesellschaftliche Instanz wäre legitimiert, bestimmten Personen oder Gruppen (zum Beispiel den Anwohnern eines nuklearen Endlagers) ein derartiges Risiko zuzumuten?
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024
  • Wie ist das Problem der Langzeitfolgen technischer Entwicklungen zu behandeln angesichts der Diskussion um die Verantwortung für zukünftige Generationen?
  • Wie sollte man mit nicht vermeidbaren Restrisiken umgehen? Gilt der „Vorrang der schlechten Prognose“ (Hans Jonas)?
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025

Die Produktion und Verwertung von Wissen und Technik dominieren unser Leben. Wissenschaft und Technologie haben sich zu den wichtigsten Produktionsfaktoren entwickelt, so dass wir es heute mit einer „Wissenschaftsgesellschaft“ zu tun haben. Das „Wissenschafts-Technologie-Industrialismus-Paradigma“, so der Sozialwissenschaftler Rolf Kreibich, wurde zum Fortschrittsparadigma der Industriegesellschaften schlechthin[34]. Entscheidend und offen ist, wie es sich im Verhältnis zur Natur entwickelt und welche längerfristigen sozialen und demokratischen Folgen das haben kann oder absehbar haben wird[35].

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3 Stimmen
 
026

Denn mit dem technisch-wissenschaftlichen Fortschritt sind nicht nur ein besseres Leben, sondern auch neue Gefahren verbunden, die den sozialen Zusammenhalt und die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen gefährden. Die Atomenergie ist ein markantes Beispiel, dass die technische Entwicklung nicht per se ein Fortschrittsgarant ist, sondern inhärent Ambivalenzen mit sich bringt[36]. Die komplexen Technikfolgen sind oftmals langfristig, vielfältig, überraschend und unfassbar. Der Sozialwissenschaftler Carl Böhret beschrieb: „Die Art und die Gewalt des Geschehens von Tschernobyl entblöste zentrale Mängel der Folgenbewältigungskapazität in Politik und Verwaltung. […] Die langfristige Herrschaft des Nutzens wird durch die Kritik an den Schäden relativiert: Die Wahrscheinlichkeit der Chance schrumpft gegenüber dem Gewicht des Risikos.“[37].

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3 Stimmen
 
027

Von zentraler Bedeutung sind deshalb Stärkung und Ausbau der Technologiefolgenbewertung und Technikgestaltung. Diese Aufgabe wird jedoch aus drei zentralen Gründen erschwert:

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3 Stimmen
 
028
  • Die mit den Modernisierungs- und Rationalisierungsprozessen verbundene Beschleunigung des Wissensumschlags vergrößert auch die Unvorhersehbarkeit künftiger Entwicklungen.
  • Immer mehr Entscheidungen stehen unter dem Regime der kurzen Frist, das eine Reflexion über die Prozesse und ihre Folgen grundlegend erschwert. Der amerikanische Sozialwissenschaftler Richard Sennett stellt die Frage: „Wie bestimmen wir, was in uns von bleibendem Wert ist, wenn wir in einer ungeduldigen Gesellschaft leben, die sich nur auf den unmittelbaren Moment konzentriert?“[38].
  • Das bisherige Verständnis von Fortschritt ist auf Wachstum und Beschleunigung ausgerichtet, Technikgestaltung erfordert aber auch Verlangsamung, Begrenzung, Mäßigung und Vermeidung[39]. Notwendig sind nicht nur Teilkorrekturen, sondern eine neue Denkrichtung.
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5 Stimmen
 
029

Die Erfahrung schwerwiegender Technikkonflikte legt „nahe zu fragen, ob man diese Konflikte nicht a priori vermeiden, also bereits ihre Entstehung verhindern könnte statt später die Folgen dieser Konflikte teurer kurieren zu müssen“[40]. Durch prospektive Untersuchungen soll die akzeptanzorientierte Technikgestaltung herausfinden, welche Technik einschließlich ihrer Risiken und sonstiger Nachteile vertretbar wäre und akzeptiert würde. „Insofern müssen die Ergebnisse von Einstellungs- und Akzeptanzforschung zweifelsohne ein nicht unbedeutender Teil von Sozialverträglichkeitsprüfungen sein; eine Rückbindung zum Meinungsklima ist unabdingbar“[41].

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3 Stimmen
 
030

Erfahrungen mit der mangelnden Prognostizier- oder Extrapolierbarkeit des Akzeptanzverhaltens sowie die Probleme bei der Interpretation des Akzeptanzverhaltens führten jedoch zu einem neuen, beteiligungsorientierten Verfahren in der Entscheidungsfindung[42]. Danach geht es nicht um eine prospektive „Messung“ und Extrapolation des Akzeptanzverhaltens, sondern um die unmittelbare Einbeziehung der von der Technikentwicklung Betroffenen (Konsumenten, Bürger, politische Parteien, Behörden, Verbände, soziale Bewegungen etc.) in die Entscheidungsprozesse. Die Differenz zwischen Entscheidern und den von der Entscheidung Betroffenen soll auf diese Weise möglichst aufgehoben werden.

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3 Stimmen
 
031

Deswegen sei in Technikkonflikten nicht die faktische Akzeptanz, sondern die normative Akzeptabilität grundlegend: „Akzeptabilität ist ein normativer Begriff, der die Akzeptanz von risikobehafteten Optionen mittels rationaler Kriterien des Handelns unter Risikobedingungen festlegt“[43]. Die Bewertung von Technik orientiert sich nicht „an faktischer Akzeptanz, sondern an der Akzeptabilität von Entscheidungen“[44]. Das steht im Gegensatz zu kurzfristigen Trends, indem sie Akzeptabilitätsschwellen formuliert und rechtfertigt, die für jedermann zu gelten haben. Nach Auffassung der Kommission ergeben sie sich aus dem Leitziel der Nachhaltigkeit und damit der dauerhaften Sozial- und Ökologieverträglichkeit technisch-wirtschaftlicher Entscheidungen.

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032

Die Arbeit der Kommission leistet einen Beitrag, um nicht zu vertretende Gefahren frühzeitig zu erkennen und künftig möglichst zu vermeiden. Dafür stellen das Standortauswahlgesetz und der Beschluss des Bundestages die hohe Bedeutung von Evaluierung, Diskurs und Verständigung heraus. Die Kommission zeigt auf, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Denn es gehört zum „Drama des Fortschritts“, dass nicht jede technische Neuerung und ihre ökonomische Verwertung ein Beitrag zum Fortschritt ist[45].

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033

Anfang der Siebzigerjahre setzte in Politik und Wirtschaft die Debatte über die Technikfolgenabschätzung (TA) ein. 1973 beantragte die CDU/CSU-Fraktion die Schaffung eines Amtes zur Bewertung technologischer Entwicklungen beim Deutschen Bundestag[46]. Als Vorbild diente das Office of Technology Assesment (OTA) beim amerikanischen Kongress in Washington. Damit sollte auch in der Bundesrepublik Deutschland systematischer in Politik und Gesellschaft über die Folgen des wissenschaftlich-technischen Wandels nachgedacht werden, insbesondere über die Folgen für die soziale und natürliche Umwelt.

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034

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen über eine solche Einrichtung kam es am 14. März 1985 im Bundestag zur Einsetzung der Enquete-Kommission „Einschätzung und Bewertung von Technikfolgen. Gestaltung von Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung“[47]. 1987 nahm auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen der Ausschuss Mensch und Technik seine Arbeit auf[48]. Beide Einrichtungen markierten den Versuch, Technikbewertung und Technologiefolgenabschätzung in der Legislative zu verankern[49]. In der Folge wurde das „Büro für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages“ (TAB) eingerichtet, das über den Ausschuss für Forschung und Bildung mit dem Parlament verbunden ist.

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035

Das TAB, das dem Forschungszentrum Karlsruhe angegliedert wurde, berät den Deutschen Bundestag in forschungs- und technologiepolitischen Fragen. Es liefert Analysen und Gutachten. Seit 1990 wird das TAB vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) organisiert. Es kooperiert seit September 2013 mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, dem Zentrum für Zukunftsforschung und Technologiebewertung sowie der VDI/VDE Innovation + Technik. Die Fachausschüsse des Deutschen Bundestages schlagen über den Forschungsausschuss Untersuchungsthemen vor, beraten die Ergebnisse und bereiten eine Debatte im Plenum vor. Ziele sind:

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3 Stimmen
 
036
  • die Potenziale neuer wissenschaftlich-technischer Entwicklungen zu analysieren und die damit verbundenen Chancen auszuloten;
  • gesellschaftliche, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen der Realisierung und Anwendung wissenschaftlich-technischer Entwicklungen zu untersuchen;
  • potenzielle Auswirkungen vorausschauend und umfassend zu analysieren, um die Chancen der Techniknutzung ebenso wie die Möglichkeiten zur Vermeidung oder Abmilderung ihrer Risiken aufzuzeigen;
  • auf dieser Grundlage Handlungs- und Gestaltungsoptionen für die politischen Entscheidungsträger zu entwickeln.
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